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Dienstag, 11. Juni 2013

Leseprobe


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Patricia Koelle: Das Meer in deinem Namen -- Band 1 der Ostsee-Trilogie

Patricia Koelle: Das Meer in deinem Namen. Roman
Prolog


Carly starrte auf das fingerlange Schiff in ihrer Hand. Es war das persönlichste Geschenk, das Thore ihr je gemacht hatte. Als der Bus in eine Kurve fuhr, ließ ein Sonnenstrahl den Rumpf honiggolden aufleuchten. Er war aus Bernstein gefertigt. Die Segel aber, die sich in einem unhörbaren zeitlosen Wind blähten, waren aus Silber. Sie spiegelten das Licht und warfen Funken an die schmutzige Buswand.

Der Bus bewegte sich auf der Landstraße vorwärts wie ein Tropfen, der einen Faden herunter, aber bestimmt nicht wieder hinauf läuft. Die Straße zerschnitt Carlys Leben in zwei Teile. Hinter ihr blieben ihre Freunde zurück und ihre große, aussichtslose Liebe. Vor ihr lag ein unbekanntes Ziel am Meer. Um es zu erreichen, musste sie nicht nur ein uraltes Tabu brechen, sondern obendrein Tante Alissa anlügen, die ihr ein Leben lang Vater und Mutter ersetzt hatte.

Das Schiff war schuld daran, dass sie hier war, wo sie nicht sein durfte. Schuld daran, dass sie Thores Bitte und endlich ihrer eigenen, verbotenen Sehnsucht gefolgt war.

Sie konnte sich nicht sattsehen daran, wie das Licht im Inneren des Bernsteins schimmerte. Winzig entdeckte sie ihr Spiegelbild darin, das ihr ratlos entgegenblickte. Doch seltsam – was war das? Neben ihrem eigenen Gesicht sah sie ein zweites. Es war älter und ganz gewiss nicht ihres, und es lächelte sie an.

Carly drehte sich um, sicher, dass jemand aus der Sitzreihe hinter ihr über die Lehne blickte.

Aber dort saß niemand. Alle drei Doppelsitze hinter ihr waren frei. Der Bus war nur spärlich besetzt.

Verwirrt richtete sie ihren Blick wieder auf den Bernstein. Doch auf der blanken Oberfläche war nur ihr eigenes Gesicht zu sehen und ganz im Inneren ein Schatten, der vom Bug zum Kiel huschte und verschwand.

Wahrscheinlich fehlte ihr Schlaf. Gegrübelt hatte sie reichlich während der letzten warmen Nächte. Sie steckte das Schiff behutsam in ihre Tasche, kuschelte sich in den Winkel, schloss die Augen und dachte an den Sommernachmittag vor kaum zwei Wochen zurück, als sich alles zu verändern begann und ihr Leben zum zweiten Mal unaufhaltsam ins Rutschen kam.

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Dienstag, 14. April 2009

Patricia Koelle: Die Füße der Sterne


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Patricia Koelle: Die Füße der Sterne
Patricia Koelle
Die Füße der Sterne

Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-939937-04-3 (Buch)
ISBN 978-3-939937-55-5 (eBook EPUB)

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Leseprobe: Himmel auf Abwegen

Es war ihre immer tiefere Traurigkeit, die ihn beunruhigte. Selbst wenn die Beleuchtung im Kuppelsaal ausgeschaltet war und die Vorführung lief, konnte er sie spüren.
Er kannte die zierliche Frau, deren Haar- und Augenfarbe ihn an ein Fohlen erinnerten, das ein Gefährte seiner Kindheit gewesen war, nur vom Sehen. Aber es machte ihm trotzdem zu schaffen. Denn Robin war ein Reparierer, einer, der die Dinge in Ordnung bringt. Er hatte keinen Doktortitel, kein Studium, gar nichts, und doch war er inzwischen im Planetarium für fast alles zuständig. Er kannte sich als Einziger wirklich mit dem riesigen schwarzen Projektor aus, der sich allabendlich wie ein urzeitliches Monsterinsekt summend aus dem Fußboden erhob, um seine Sternbilder an die Kuppel zu werfen und die Menschen auf eine Reise in den Himmel und durch die Zeit zu entführen.
Es war nicht das neueste Modell. Heutzutage haben die modernen Projektoren eine Kugelform. Dieser hier hatte noch die alte eines riesigen Knochens, der sich in fast allen Richtungen um die eigene Achse drehen konnte. Die Verdickungen an jedem Ende waren bedeckt von unzähligen Linsen. Sie wirkten wie große, weise und kleine, listige Augen.
Robin kannte jede Eigenheit des Apparats. Er polierte und justierte die Linsen, befreite Ritzen von Staub, lötete defekte Kabel, tauschte durchgebrannte Lampen aus, sortierte Dias, ordnete Sternenfelder, hielt Gelenke gängig. Er kratzte aber ebenso Kaugummis vom Teppich, beruhigte nervöse Vortragende und sorgte dafür, dass ein volles Wasserglas für sie bereitstand.
Robin war es auch, der am Eingang der Kuppel die Eintrittskarten abriss. Daher kannte er die Stammgäste und wechselte mit dem einen oder anderen oft ein freundliches Wort. Der Blick dieser Frau bekümmerte ihn mehr und mehr. Außer „Guten Abend“ sagte sie nie einen Ton.
Zuerst kam sie nur mittwochs, zu den Sondervorträgen, die jede Woche ein anderes Thema hatten. Kometen, neu entdeckte Galaxien, das gigantische Hubble-Teleskop, die aktuellen Bilder, die die Mars-Sonde zur Erde funkte. In der ersten Zeit hörte sie aufmerksam zu, war voller Begeisterung, selbst wenn es um Pulsare, Quasare und Veränderliche ging und zwei Drittel des Publikums schon weggedöst war. Ihre Augen waren voller Licht, wenn sie zur Kuppel aufblickten und die Wege der Kometen oder Sternennebel verfolgten, die der Projektor so täuschend echt vorgaukelte.
Doch mit den Jahren war es, als ginge der Strom verloren und mit ihm das Leuchten in ihrem Gesicht. Robin hatte den unsinnigen Gedanken, es müsse vielleicht nur eine Batterie aufgeladen oder die Glühbirne ausgetauscht werden. Er hätte es gern getan, wenn es nur so einfach gewesen wäre. Für jedes Problem hatte er normalerweise eine Lösung, aber hier war er ratlos.

... wie diese Geschichte weitergeht, erfahren Sie in dem Buch / eBook Die Füße der Sterne ...

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